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Jagd und Kugelfang

kuratiert von Peter Lang


19. Juli – 30. August 2008

Installationsansichten

 

Flyer



 

mit: ROLAND BODEN, MARTIN DAMMANN, ROLAND FUHRMANN, CHRISTINE DE LA GARENNE, MORITZ GÖTZE,

HERMAN VAN INGELGEM, CHRISTIANE KLATT, ALICJA KWADE,

VIA LEWANDOWSKY, SERKAN ÖZKAYA, JENNY ROSEMEYER,

PHILIP TOPOLOVAC, KRIS VLEESCHOUWER, JORINDE VOIGT, EVA-MARIA WILDE, MARKUS WIRTHMANN, RALF ZIERVOGEL

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Eröffnung:
18. Juli 2008, 19 – 22 Uhr
Ausstellung:
19. Juli – 30. August 2008



Zur Eröffnung am Freitag, 18. Juli 2008 sind Sie herzlich eingeladen.


„Früher begann der Tag mit einem Fangschuss“, so etwas abgewandelt die Worte von Matthias Baader Holst, dem viel zu früh verstorbenen Krawallpoeten der untergehenden DDR. In der Ausstellung wird neben einer Fotografie von den ersten deutschen Raketenjägern in einer romantischen Nachtaufnahme (Martin Dammann) und einem malerischen Kugelfang aus Beirut (Eva-Maria Wilde), der einen narbengesichtigen, vollkommen zerschossenen Neubau darstellt, die Jagd als Abstraktum thematisiert. Dem Grimm’schen Wörterbuch in 24 Bänden ist als erste Erläuterung des Wortes Jagd zu entnehmen, dass es die Verfolgung von Feinden beschreibt. Dann erst kommt die Wortverwendung für die Tätigkeit der Verfolgung und Erlegung von Tieren. Der Kugelfang hat eine weitergehende Bedeutung, die sich nicht bei Grimms findet. Im Sprachgebrauch bezeichnet er nicht nur einen Sandwall auf einer Schießbahn oder den Blechkasten auf Rummelbuden, wo man mit dem Luftgewehr auf Plastikblumen schießt, sondern im militärischen Zusammenhang auch das Feuer aufhaltende, ablenkende Objekte wie Gebäude in Städten oder - im schlimmsten Fall der Verwendung - den Einsatz eigener Truppen zum Binden des gegnerischen Feuers. Vor der kommenden Jagdsaison ist eine Gruppe von Künstlern eingeladen, ihren Blick auf diese Dinge in unterschiedlichen Medien darzustellen. Es sind Zeichnungen, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen entstanden - zum Großteil extra für diese Ausstellung. Da sind die verfetteten Jäger von Strandgut (Christine de la Garenne), subkulturelle Bauernarchitekten als Taubenjäger aus Frankreich (Roland Fuhrmann), die Fliege, die den Jäger immer begleitet – egal, ob nun Menschen- oder Tierjagd auf dem Tagesplan steht (Via Lewandowsky). Nicht unwesentlich wurde der Kurator bei der Vorbereitung von zwei Filmen verfolgt: „Hasenjagd“ erzählt von der Jagd der Linzer Landbevölkerung unter Anleitung der SS auf russische Offiziere, von denen nach einem Lagerausbruch von 500 nur 9 den Krieg überlebten. „Das Millionenspiel“ ist eine fiktive Fernsehshow aus den 70er Jahren, in denen freiwillige Jäger und Gejagte sich für eine Million Mark zur Verfügung stellen, mit einkalkulierten Todesfolgen für den Gejagten. Am Eingang der Galerie begrüßt den Besucher der Blick in die Mündung eines gestrechten Gewehrlaufes (Ralf Ziervogel). Schusswunden müssen allerdings nicht erwartet werden. Die Jagd zieht durch den Kopf und statt politischer Korrektheit darf mit hintergründiger Ironie gerechnet werden.